Die Bots und die Bienen: Sharenting im Zeitalter der KI
Der digitale Fußabdruck Ihres Kindes hat möglicherweise begonnen, bevor es überhaupt laufen konnte. Eine neue Norton-Studie zeigt, dass 8 % der deutschen Eltern bereits vor dem ersten Geburtstag ihres Kindes ein Foto mit dessen Gesicht online geteilt haben. Doch KI hat Sharenting riskanter gemacht. Erfahren Sie, mit welchen praktischen Schritten Sie Ihre geteilten Inhalte überprüfen und die digitale Privatsphäre Ihres Kindes besser schützen können.
Dieser Beitrag ist Teil der Norton-Reihe Die Bots und die Bienen. Sie soll Familien dabei helfen, Gespräche zu aktualisieren, die früher einfacher waren – für eine Welt, in der KI verändert hat, wer oder was sich auf der anderen Seite des Chatfensters befindet. Der vollständige Norton Insights Report: Connected Kids* enthält weitere Erkenntnisse zu plattformspezifischen Risiken und den digitalen Gewohnheiten von Familien.
Es geht hier nicht darum, Ihnen Schuldgefühle zu machen. Sharenting – das Teilen von Fotos der eigenen Kinder im Internet – ist normal, und in den meisten Familien werden diese Bilder nicht einfach verschwinden. Doch die für die Ausgabe 2026 des Norton Insights Report: Connected Kids durchgeführte Studie zeigt etwas, bei dem sich ein kurzer Moment des Innehaltens lohnt: 8 % der befragten deutschen Eltern hatten vor dem ersten Geburtstag ihres Kindes ein Foto mit dessen Gesicht online geteilt, 25 % vor dem sechsten Geburtstag. 58 % gaben dagegen an, noch nie ein Foto ihres Kindes veröffentlicht zu haben.
Diese Fotos wurden möglicherweise Jahre zuvor veröffentlicht, bevor „KI-generiertes Fake-Bild“ überhaupt ein Begriff war, den Eltern kennen mussten. Und sie könnten noch immer online sein. Leider haben sich die Möglichkeiten verändert, was mit diesen Bildern gemacht werden kann.
Eltern überdenken, was sie geteilt haben
In Deutschland befürchten 61 % der Eltern, dass KI dazu verwendet werden könnte, gefälschte Bilder oder Gespräche mit ihrem Kind zu erstellen. 69 % sorgen sich außerdem, dass Fotos oder Informationen, die online über ihr Kind geteilt wurden, ihm später schaden könnten. Die Sorge ist eindeutig, entstand bei vielen Eltern aber erst nach Jahren des Teilens.
Das ist weniger ein Widerspruch als ein Zeichen dafür, dass sich die Zeiten geändert haben. Ein Babyfoto im Jahr 2020 oder 2022 zu teilen, galt nach den damaligen Maßstäben nicht als riskante Entscheidung. Die Maßstäbe haben sich verschoben.
Was KI beim Sharenting verändert
Kriminelle können KI-generierte Fotos oder falsche Identitäten nutzen, um das Vertrauen junger Menschen zu gewinnen oder sie dazu zu bringen, echte Bilder zu teilen. Diese können anschließend für finanzielle Sextortion verwendet werden.
Im vergangenen Jahr erhielt das National Center for Missing & Exploited Children in den USA durchschnittlich mehr als 100 Meldungen pro Tag über finanzielle Sextortion gegen Kinder und Jugendliche. Die Opfer sind überdurchschnittlich häufig männliche Jugendliche, und viele Fälle beginnen in sozialen Medien, auf Gaming-Plattformen oder in Messaging-Apps. Die Opfer sind überdurchschnittlich häufig männliche Jugendliche, und viele Fälle beginnen in sozialen Medien, auf Gaming-Plattformen oder in Messaging-Apps.
Öffentlich zugängliche Kinderfotos sind auch ganz allgemein Ausgangsmaterial für die KI-Bilderzeugung, nicht nur in gezielten Fällen von Sextortion. Sobald ein klar erkennbares Gesicht öffentlich ist, lässt sich nicht mehr vollständig kontrollieren, wo das Bild landet.
„Eltern bringen ihren Kindern seit Jahren bei, wie sie Fremde im Internet erkennen. KI verändert jedoch, wie ‚Gefahr‘ online aussehen kann“, erklärt Leyla Bilge, Global Head of Scam Research bei Norton. „Vom Missbrauch und der Veränderung veröffentlichter oder geteilter Fotos bis hin zu KI-Bots, die sich als vertrauenswürdige Quellen ausgeben, entstehen völlig neue Risiken. Eltern müssen deshalb sowohl ihre Gespräche über Online-Sicherheit als auch ihren Umgang mit bereits veröffentlichten Inhalten aktualisieren.“
„Die Fotos, die Eltern veröffentlichen, sind für sich genommen nur selten das Problem. Entscheidend ist die Kombination: ein klares, frontal aufgenommenes Foto vom Gesicht eines Kindes, dazu ein Name und irgendwo im selben Feed die Schule oder der Wohnort. Jedes dieser Details allein birgt nur ein geringes Risiko. Zusammen liefern sie jedoch fast alles, was ein böswilliger Akteur braucht. Mir ist lieber, Eltern betrachten diese Kombination, als jeden einzelnen Beitrag kontrollieren zu wollen.“
— Leyla Bilge, Global Head of Scam Research bei Norton
Sharenting ist eine Erziehungsentscheidung, nicht nur eine Entscheidung darüber, was Sie veröffentlichen. Daher verdient es dieselbe Sorgfalt wie andere Entscheidungen für Ihr Kind. Fragen Sie sich vor dem Teilen, ob es für Sie in Ordnung wäre, wenn ein Fremder genau dieses Foto und die Bildunterschrift sehen würde. Fällt Ihre Antwort anders aus, wenn Sie sich statt eines Großelternteils einen Fremden vorstellen, sollten Sie den Beitrag vielleicht noch einmal überdenken oder seine Sichtbarkeit einschränken.
Vier Datenschutzprüfungen, die sich jetzt lohnen
Sie müssen nicht die gesamte digitale Geschichte Ihres Kindes löschen. Einige wenige Prüfungen schließen den größten Teil der Lücke:
- Betrachten Sie Ihren eigenen Beitragsverlauf mit neuen Augen: Gehen Sie die Fotos durch, die Sie im vergangenen Jahr veröffentlicht haben. Würden Sie dieselben Bilder mit Ihrem heutigen Wissen noch einmal posten? Darauf gibt es keine richtige oder falsche Antwort – es geht lediglich um eine Bestandsaufnahme, die die meisten Eltern noch nicht vorgenommen haben.
- Prüfen Sie, wer Ihre Beiträge sehen kann: Datenschutzeinstellungen verändern sich. Ein Foto, das 2021 nur für „Freunde“ sichtbar war, kann heute ein größeres Publikum erreichen, wenn ein Konto öffentlich wurde, eine Plattform ihre Standardeinstellungen geändert hat oder Ihre Freundesliste inzwischen Personen enthält, die Sie kaum kennen.
- Achten Sie nicht nur auf Gesichter, sondern auch auf identifizierende Details: Ein Foto mit Schuluniform, Hausnummer oder einem erkennbaren Ort verrät Fremden möglicherweise mehr, als Sie denken. Schneiden Sie solche Details nach Möglichkeit aus dem Bild heraus oder verzichten Sie auf die Veröffentlichung.
- Beziehen Sie den Rest der Familie ein: Großeltern, Tanten, Onkel und Freunde der Familie, die Fotos Ihrer Kinder veröffentlichen, tragen ebenfalls zu deren digitalem Fußabdruck bei. Eine beiläufige Bitte wie „Könnt ihr diese Bilder bitte nur in unserem Familienchat teilen?“ kann viel bewirken.
Online-Schutz geht über Ihre eigenen Beiträge hinaus
Eigene Beiträge zu überprüfen, ist ein sinnvoller erster Schritt. Die Online-Sicherheit Ihres Kindes hängt aber auch von den Nachrichten, Konten und Inhalten ab, denen es selbst begegnet. Norton 360 mit KI-gestützter Betrugserkennung kann verdächtige Interaktionen in Echtzeit kennzeichnen. Norton Family gibt Ihnen zugleich Einblick in die Online-Aktivitäten Ihres Kindes, sobald es alt genug ist, selbst Inhalte zu veröffentlichen.
Hinweis zur Methodik
*Die Studie Connected Kids 2026 wurde von Gen (dem Unternehmen hinter Norton) in Auftrag gegeben und von Dynata vom 22. Mai bis 19. Juni 2026 online in 12 Märkten durchgeführt. An ihr nahmen 1.000 Erwachsene in Deutschland teil. Die Daten wurden nach Alter, Geschlecht und Region gewichtet, damit sie auf nationaler Ebene repräsentativ sind. Mit Eltern sind Eltern von Kindern unter 18 Jahren gemeint; sie machen 39 % der in allen Märkten befragten Erwachsenen aus. Die Angaben in diesem Blogbeitrag beziehen sich ausschließlich auf Befragte in Deutschland.
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