Die Bots und die Bienen: Fremde im Internet im KI-Zeitalter

Neue Norton-Daten zeigen: Kinder begegnen online weiterhin Fremden. Fast zwei Drittel der deutschen Eltern, deren Kind Online-Spiele mit Chatfunktion spielt, geben an, dass ihr Kind dort mit einer fremden Person gesprochen hat. Und im KI-Zeitalter sind manche dieser Fremden gar keine Menschen. Erfahren Sie, wie Gaming-Chats und KI-Bots die Online-Risiken für Kinder verändern und wie Sie das Gespräch über Fremde zu Hause aktualisieren können.

Ein Junge mit Gaming-Headset sitzt an einem Schreibtisch und spielt ein Online-Multiplayer-Spiel. Auf dem Bildschirm sind eine Spielszene und ein Team-Chat zu sehen, in dem ein anderer Spieler wiederholt darum bittet, das Gespräch auf Discord fortzusetzen, und vorschlägt, den Eltern nichts davon zu erzählen.

Dies ist der erste Beitrag der Norton-Reihe Die Bots und die Bienen. Sie soll Familien dabei helfen, Gespräche zu aktualisieren, die früher einfacher waren – für eine Welt, in der KI verändert hat, wer oder was sich auf der anderen Seite des Chatfensters befindet. Der vollständige Norton Insights Report: Connected Kids* enthält weitere Erkenntnisse zu plattformspezifischen Risiken und den digitalen Gewohnheiten von Familien.

Die meisten Eltern kennen eine Variante des Gesprächs über Fremde auswendig: keinen Namen verraten, keinen Standort teilen, nicht mit Unbekannten sprechen. Das ist eine gute Grundlage. Sie passt nur nicht mehr vollständig zu den Orten, an denen Kinder heute Fremden begegnen.

Laut dem neuen Norton Insights Report: Connected Kids konzentriert sich der Kontakt mit Fremden auf Gaming und nicht auf soziale Medien. Unter den 47 % der deutschen Eltern, deren Kind Online-Spiele mit Chatfunktion spielt:

  • 62 % geben an, dass ihr Kind per Sprach- oder Textchat mit einer fremden Person gesprochen hat.
  • 32 % geben an, dass ihr Kind unangemessene oder beleidigende Nachrichten erhalten hat.
  • 28 % geben an, dass ihr Kind aufgefordert wurde, das Spiel zu verlassen und das Gespräch auf einer anderen Plattform fortzusetzen.

Dem steht gegenüber, wie Eltern ihre Sorgen gewichten: TikTok führt die Liste der Plattformbedenken mit 31 % an. Online-Gaming liegt mit nur 6 % hinter Facebook (8 %) und YouTube (5 %). Diese Rangfolge zeigt, dass Verbote sozialer Medien am Ziel vorbeigehen könnten.

Warum Gaming-Chats für Eltern ein blinder Fleck sind

Das Internet, mit dem Eltern aufgewachsen sind, hat sich verändert. In Gaming-Chats gibt es womöglich kein Profil, das sich prüfen lässt, und keine eindeutigen Warnzeichen – nur eine Stimme im Headset oder eine Nachricht in einer Lobby. Das Risiko liegt außerdem nicht nur darin, wer im Chat ist, sondern auch darin, was passiert, wenn das Gespräch an einen anderen Ort wechselt.

Leyla Bilge, Global Head of Scam Research bei Norton, beschreibt es so: „Die Chat-Ebene über dem eigentlichen Spiel ist häufig der Ort, an dem die reale Gefährdung entsteht. Für Eltern ist sie meist weniger sichtbar als die Nutzung sozialer Medien. Wenn ein Kind auf Bitte einer anderen Person von einer Gaming-Plattform in eine private Messaging-App wechselt, ist diese Eskalation schwer zu erkennen. Kinder nehmen sie möglicherweise nicht als etwas wahr, das sie erwähnen sollten.“

Für ein Kind kann der Wechsel von einem In-Game-Chat zu Discord oder Snapchat so wirken, als ließe sich eine neue Freundschaft schneller vertiefen. Er ist jedoch auch ein dokumentiertes Muster beim Grooming. Kinder erkennen die Aufforderung möglicherweise nicht als Warnzeichen. Eltern sollten daher klar erklären, dass ihr Kind immer davon erzählen sollte, wenn jemand das Gespräch auf eine andere Plattform verlagern möchte.

Hinter Online-Fremden stecken nicht immer Menschen

Der neue Norton Insights Report zeigt noch eine zweite Veränderung: Manche Konten, mit denen Kinder sprechen, werden gar nicht von Menschen betrieben. Unter den Eltern, deren Kind Cybermobbing erlebt hat, geben 31 % an, dass der Täter ein KI-generiertes Konto oder ein Bot war. Das liegt nahe bei den 34 %, die von einer Person mit einem gefälschten Profil berichten.

Dadurch verändert sich die Form des Risikos. Ein Konflikt mit einem Mitschüler hat einen Kontext, über den ein Kind nachdenken kann. Eine belästigende Nachricht von einem Konto, das womöglich nicht menschlich ist, hat diesen Kontext nicht. Es gibt kein Motiv zu verstehen und keine Beziehung zu reparieren – nur ein Muster, das sich immer weiter zuspitzt.

„Gaming-Chats wurden für die Koordination entwickelt, nicht für die Überprüfung von Identitäten – und genau deshalb lassen sie sich so leicht automatisieren. Ein Mensch kann immer nur einen Manipulationsversuch durchführen. Ein KI-gesteuertes Konto kann dasselbe Skript gleichzeitig bei Hunderten von Kindern einsetzen, ohne müde zu werden oder sich selbst aus dem Konzept zu bringen. Eltern sollten die Aufforderung, ein Gespräch auf eine andere Plattform zu verlagern, für sich genommen als mögliches Warnsignal betrachten – unabhängig davon, wer oder was dahintersteckt.“

— Leyla Bilge, Global Head of Scam Research bei Norton

So aktualisieren Sie das Gespräch über Fremde

Das Gespräch zu aktualisieren bedeutet nicht, einen längeren oder beängstigenderen Vortrag zu halten. Es bedeutet, konkret auf die Situationen einzugehen, in denen sich Kinder befinden. Diese Tipps helfen Ihnen, mit Ihrem Kind über Fremde im Internet zu sprechen:

  • Machen Sie den Plattformwechsel zur festen Regel, nicht zur Einzelfallentscheidung: Sagen Sie Ihrem Kind klar, dass es Ihnen erzählen soll, wenn jemand vorschlägt, ein Gespräch aus einem Spiel in eine andere App zu verlagern – ganz gleich, wie beiläufig die Bitte wirkte. Eine eindeutige Regel nimmt die Unsicherheit.
  • Fragen Sie nach dem Chat, nicht nur nach den Apps: „Ist diese Woche im Chat etwas Merkwürdiges passiert?“ bringt mehr ans Licht als „Wie war Roblox?“, weil die Frage genau auf den Ort zielt, an dem das Risiko entsteht.
  • Sprechen Sie über Bots als Kategorie, nicht als Schreckgespenst: Kinder müssen nicht vor jeder Nachricht Angst haben. Sie sollten verstehen, dass hinter manchen Konten keine Menschen stehen und dass anhaltende oder manipulative Nachrichten gemeldet werden sollten – unabhängig davon, wer oder was dahintersteckt.
  • Bleiben Sie im Gespräch: Knapp die Hälfte der befragten Eltern, die erfahren hatten, dass ihr Kind Cybermobbing erlebt hat, erfuhr es direkt vom Kind. Ein einziges Gespräch schließt diese Lücke nicht. Regelmäßige, ungezwungene Nachfragen können das.

Das Digital Wellness Lab, ein Forschungszentrum des Boston Children’s Hospital, arbeitet mit dem Konzept der Five M’s of Digital Wellness: Model, Mentor, Monitor, Mastery und Meaning. Beim Kontakt mit Fremden ist das Gespräch über „Meaning“, also die Bedeutung und Absicht hinter einer Interaktion, möglicherweise besonders wichtig.

Eltern können ihre Kinder fragen, was eine Person im Internet tatsächlich von ihnen will – nicht nur, ob sie nett wirkt. Kinder erkennen Freundlichkeit meist gut, haben aber weniger Übung darin, Absichten zu beurteilen, besonders wenn Freundlichkeit Teil der Strategie ist.

Mehr Einblick in die Online-Aktivitäten Ihrer Kinder

Regelmäßige Gespräche sind wichtig. Es hilft jedoch auch zu wissen, wo Ihr Kind online Zeit verbringt und wem oder was es dort begegnen könnte. Norton Family gibt Eltern Einblick in die Online-Aktivitäten ihrer Kinder auf verschiedenen Geräten und in unterschiedlichen Apps. So beruhen diese Gespräche auf mehr als einer Vermutung. gibt Eltern Einblick in die Online-Aktivitäten ihrer Kinder auf verschiedenen Geräten und in unterschiedlichen Apps. So beruhen diese Gespräche auf mehr als einer Vermutung.

Hinweis zur Methodik

*Die Studie Connected Kids 2026 wurde von Gen (dem Unternehmen hinter Norton) in Auftrag gegeben und von Dynata vom 22. Mai bis 19. Juni 2026 online in 12 Märkten durchgeführt. An ihr nahmen 1.000 Erwachsene in Deutschland teil. Die Daten wurden nach Alter, Geschlecht und Region gewichtet, damit sie auf nationaler Ebene repräsentativ sind. Mit Eltern sind Eltern von Kindern unter 18 Jahren gemeint; sie machen 39 % der in allen Märkten befragten Erwachsenen aus. Die Angaben in diesem Blogbeitrag beziehen sich ausschließlich auf Befragte in Deutschland.

Jeremy Coppock
Jeremy Coppock ist Redakteur bei Norton. Er ist besonders an Themen zur Aufklärung über Betrugsbekämpfung interessiert. Dazu kann er auf seine Erfahrung als Betrugsermittler für einen großen Online-Händler zurückgreifen.

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