Die Bots und die Bienen: Plattformverbote und Elternschaft
Verbote sozialer Medien gewinnen an Dynamik. Gesetze und Altersgrenzen können offene Gespräche über Cybersicherheit jedoch nicht ersetzen. Der Norton Insights Report: Connected Kids 2026 zeigt, dass die riskantesten Plattformen für Kinder womöglich gar keine sozialen Netzwerke sind und dass Kinder Einschränkungen häufig ohnehin umgehen. Erfahren Sie, wo die Sorgen von Eltern möglicherweise am eigentlichen Problem vorbeigehen, und erhalten Sie Tipps für digitale Sicherheit, die zu Hause wirklich helfen.
Dieser Beitrag ist Teil der Norton-Reihe Die Bots und die Bienen. Sie soll Familien dabei helfen, Gespräche zu aktualisieren, die früher einfacher waren – für eine Welt, in der KI verändert hat, wer oder was sich auf der anderen Seite des Chatfensters befindet. Der vollständige Norton Insights Report: Connected Kids* enthält weitere Erkenntnisse zu plattformspezifischen Risiken und den digitalen Gewohnheiten von Familien.
Australiens Verbot sozialer Medien für unter 16-Jährige gilt seit Dezember 2025. Ein EU-Expertengremium hat außerdem einen zeitlich begrenzten und beaufsichtigten Zugang für Kinder unter 13 Jahren empfohlen, wie aus einem Bericht des Guardian hervorgeht. Mehrere Länder, darunter das Vereinigte Königreich, Frankreich und Dänemark, haben eigene Verbote vorgeschlagen. Doch unabhängig davon, wie die Gesetzgebung letztlich ausfällt, wissen Eltern von Teenagern und Kindern im Vorpubertätsalter, dass die Realität oft komplizierter ist.
Der neue Norton Insights Report: Connected Kids zeigt eine Lücke zwischen den Plattformbeschränkungen, die Eltern oder Regierungen festlegen, und dem tatsächlichen Online-Verhalten von Kindern. Erfreulicherweise geben 70 % der Eltern in Deutschland an, dass sie sich wohl dabei fühlen, mit ihren Kindern über Online-Risiken zu sprechen. Viele haben bereits Formen der Überwachung oder Einschränkung eingerichtet.
Doch viele Kinder finden weiterhin Wege, Regeln zu umgehen, oder stoßen auf schädliche Inhalte. Unter den befragten Eltern in Deutschland:
- 25 % der Eltern in Deutschland berichten, dass ihre Kinder nach der festgelegten Schlafenszeit oder einer vereinbarten Uhrzeit noch online gehen.
- 38 % geben an, dass ihr Kind bereits ein Konto in sozialen Medien hatte, bevor es das von der Plattform vorgeschriebene Mindestalter erreicht hatte.
- 15 % berichten, dass ihr Kind explizite Inhalte angesehen hat.
- 18 % berichten, dass ihr Kind auf eine Plattform oder Website zugegriffen hat, von der die Eltern annahmen, sie sei gesperrt.
- 12 % berichten, dass ihr Kind private Informationen mit einer fremden Person geteilt hat.
Die Ergebnisse legen nahe, dass Gespräche über Online-Sicherheit weiterhin unverzichtbar sind. Am wirksamsten sind sie jedoch, wenn sie durch praktische Tools, klare Erwartungen und eine kontinuierliche Begleitung durch die Eltern ergänzt werden.
Wo Eltern Plattformrisiken vermuten – und wo sie tatsächlich liegen
Unsere Umfrage zeigt ein klares Bild davon, welche Plattformen Eltern am meisten Sorgen bereiten: Soziale Medien dominieren. In Deutschland steht TikTok mit 31 % an erster Stelle, gefolgt von Snapchat mit 9 %. Instagram und Facebook liegen mit jeweils 8 % gemeinsam auf dem nächsten Platz. Online-Gaming rangiert dagegen weiter unten: Nur 6 % der Eltern nennen es als größte Sorge für ihr Kind. Damit spiegeln die Sorgen der Eltern weitgehend den Schwerpunkt der vorgeschlagenen Gesetzgebung wider, die sich vor allem auf soziale Medien konzentriert.
Unsere Forschung deutet jedoch darauf hin, dass einige der unmittelbarsten Risiken in Gaming-Chats entstehen können. Fast die Hälfte (47 %) der Eltern in Deutschland gibt an, dass ihr Kind Online-Spiele mit Chatfunktion spielt. Von diesen Eltern berichten 62 %, dass ihr Kind mit einer fremden Person gechattet hat, und 32 %, dass es unangemessene oder beleidigende Nachrichten erhalten hat.
Für neue Bereiche des digitalen Lebens – etwa soziale Medien, Online-Gaming und KI-Kompetenz – braucht es jeweils einen Plan. Eine pauschale Regel wie „keine sozialen Medien“ kann den Blick dafür verstellen, was auf demselben Gerät an anderer Stelle geschieht.
„Als wir uns mit den Gefahren des Autofahrens auseinandergesetzt haben, haben wir nicht einfach nur eine Altersgrenze festgelegt. Wir haben Sicherheitsgurte, Tempolimits und eine bessere Straßenplanung eingeführt. Dieselbe Logik gilt hier. Eine Altersgrenze verändert, wer eine Plattform nutzen darf. Sie macht die Plattform nicht sicherer, sobald ein Teenager sie nutzt, und ersetzt keine offenen Gespräche zu Hause. Eltern betrachten das Mindestalter einer Plattform manchmal als Sicherheitsfunktion. Dabei ist es lediglich eine Zugangsregel. Für Sicherheit sorgen weiterhin Einstellungen, Aufsicht und Gespräche – unabhängig davon, ob die Plattform technisch zugelassen oder gesetzlich verboten ist.“
— Leyla Bilge, Global Head of Scam Research bei Norton
Was Eltern tun können – unabhängig von der Gesetzeslage
Gesetze können grobe Grenzen festlegen. Eltern müssen diese Regeln jedoch weiterhin in eine Lösung übersetzen, die für ihr eigenes Kind funktioniert. Am wirksamsten ist ein Ansatz, der app-spezifische Grenzen mit integrierten Sicherheitseinstellungen, regelmäßigen Gesprächen und Regeln kombiniert, die sich mit dem Alter des Kindes weiterentwickeln.
- Plattformspezifische Regeln festlegen: „Keine sozialen Medien“ lässt sich schwer durchsetzen. Treffen Sie Entscheidungen App für App und orientieren Sie sich daran, welche Inhalte eine bestimmte Plattform Ihrem Kind zeigt. Das ist verlässlicher als ein pauschales Verbot.
- Integrierte Sicherheitsfunktionen nutzen: Die meisten großen Plattformen bieten inzwischen Jugendkonten, Familienverknüpfungen oder beaufsichtigte Modi mit standardmäßigen Inhalts- und Kontaktbeschränkungen. Sie sind keine vollständige Lösung, aber kostenlos und bereits verfügbar.
- Regeln mit zunehmendem Alter Ihres Kindes überprüfen: Eine Regelung, die für Ihr elfjähriges Kind sinnvoll war, passt möglicherweise nicht mehr, wenn es 14 ist. Betrachten Sie den Plattformzugang als etwas, das Sie im Laufe der Zeit anpassen, und nicht als einmalige Entscheidung.
- Das Gespräch parallel zu den Einstellungen fortführen: Kindersicherungen können die Gefährdung durch Online-Risiken verringern, doch entschlossene Kinder finden möglicherweise Wege, sie zu umgehen. Regelmäßige, konkrete Nachfragen („Ist dir diese Woche etwas Seltsames in deinem Feed begegnet?“) können Erfahrungen sichtbar machen, die Einstellungen möglicherweise übersehen.
Mehr Einblick in das Online-Verhalten Ihres Kindes
Plattformeinstellungen bieten eine Schutzebene, wenn Sie Ihre Kinder in einer digitalen Welt begleiten – Norton Family kann eine weitere ergänzen. Die Lösung hilft Eltern zu verstehen, wie ihre Kinder ihre Zeit online verbringen, Bildschirmzeiten zu verwalten und ungeeignete Websites zu blockieren. Dieser zusätzliche Kontext kann es erleichtern, Familienregeln anzupassen und Gespräche über Online-Sicherheit konkreter zu gestalten.
Hinweis zur Methodik
*Die Connected Kids-Studie 2026 wurde von Gen (dem Unternehmen hinter Norton) in Auftrag gegeben und von Dynata vom 22. Mai bis 19. Juni 2026 in zwölf Märkten online durchgeführt. An ihr nahmen 1.000 Erwachsene in Deutschland teil. Die Daten wurden nach Alter, Geschlecht und Region gewichtet, um landesweit repräsentativ zu sein. Angaben zu Eltern beziehen sich auf Eltern von Kindern unter 18 Jahren; diese machen 39 % der in allen Märkten befragten Erwachsenen aus. Die Daten in diesem Blogbeitrag beziehen sich ausschließlich auf Befragte in Deutschland.
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